Was ist eine Fussprothese?
Eine Fussprothese ist ein künstlicher Ersatz, der so gut wie möglich die Funktionen des verlorenen Teils des Beines übernimmt. Der verbliebenen Fuss wird so gut geschützt, dass Sie auch mit einem verkürzten Fuss gehen können. Je nachdem wie lang und wie belastbar Ihr verbliebener Fuss ist, muss auch die Prothese Ihrem Stumpf mehr oder weniger Unterstützung geben.
Prothesenerklärung
Wie Ihre zukünftige Prothese angefertigt wird, hängt von Ihrer Situation ab. In erster Linie entscheidet die Länge des verbliebenen Fusses. Zudem beeinflussen Ihre Kraft, Balance und Beweglichkeit was Sie in Zukunft mit Ihrem Hilfsmittel machen können.
Im Gespräch mit Ihnen, Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und dem/der Physiotherapeut:in verschaffen wir uns eine Übersicht über Ihre Situation und schlagen Ihnen daraufhin eine Bauweise und entsprechende Bauteile für Ihre Prothese vor.

Fussprothesen aus Silikon
Die Prothese aus Silikon wird direkt auf der Haut getragen. Durch eine leichte Kompression schliesst die Prothese luftdicht ab und hält so am Fuss. Bedingungen für eine Silikonprothese sind ein stabiles Knöchelgelenk und ein Stumpf ohne Neuropathie oder arterielle Durchblutungsstörungen. Indikation nach Lisfrancs- oder Mittelfuss-Amputation

Bellmannprothesen
Die Bellmannprothese wird mit einem gut sitzenden, kurzen Socken auf der Haut getragen. Damit schlüpfen Sie in den weichen Schaft, der relativ eng gearbeitet ist, so dass er ohne Verschluss ähnlich einem Schuh sitzt.
Bedingungen für eine Bellmannprothese sind ein stabiles Knöchelgelenk und ein Stumpf ohne Neuropathie. Indikation nach Lisfrancs- oder Mittelfuss-Amputation

Rahmenschaftprothesen
Als erstes wird ein Strumpf angezogen, dann schlüpfen Sie in die Prothese. Die Rahmenschaftprothese kann mit einem elastischen, leichten Kunststoff-Fuss oder mit einem energierückgebenden, festen Fuss gebaut sein. Indikation nach Chopart- oder Lisfrancs-Amputation

Klappschaftprothesen
Als erstes wird ein Strumpf angezogen, dann schlüpfen Sie in den weichen Innenschaft und so in den Aussenschaft, der zugeklappt werden kann. Die Klappschaftprothese hat sich bei Personen mit instabilem Knöchelgelenk oder starken Ödemen (Schwellungen) bewährt. Indikation nach Chopart-, oder Lisfrancs-Amputation

Symeprothesen
Als erstes wird ein Strumpf angezogen, dann schlüpfen Sie in den weichen Innenschaft und so in den Aussenschaft. Die Symeprothese braucht einen geschlossenen Schaft, damit der Halt in der Prothese gewährleistet ist. Indikation nach Syme-Amputation oder Pirogoff
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Was geschieht wann?
Nach der Operation
Oberste Priorität hat nach der Operation die Wundheilung. Die Anpassung der Prothese muss darum noch etwas warten. In der Regel können Sie sich in der ersten Zeit mit einem Rollstuhl fortbewegen. Lassen Sie sich dazu vom Personal im Spital anleiten.
Stumpflagerung
Wichtig ist, schon jetzt darauf zu achten, dass das Knie und das Fussgelenk während dieser Wartezeit die volle Funktion behalten. Das Knie sollte immer wieder gestreckt werden, da sich bei einer Beugung leicht eine Verkürzung (Kontraktur) der Muskeln ausbilden kann, die Sie dann im Gehen behindert. Wenn das Fussgelenk nicht versteift wurde, sollte es in seiner natürlichen Haltung, einer 90 Grad-Position gelagert werden. Sobald Sie den Fuss bewegen dürfen, sollte dieser regelmässig nach oben gezogen werden.
Achtung Sturzgefahr!
Achten Sie bitte sehr genau darauf, nicht bei einer unbedachten Bewegung zu stürzen. Der Reflex, sich mit dem nicht mehr vorhandenen Fuss aufzufangen ist sehr gross, so dass Sie sich schwere Verletzungen am Stumpfende einfangen können. Seien Sie lieber langsam und dafür sicher unterwegs.
Der Stumpf ist bald bereit für die Prothesenanpassung
Wenn sich die Wunde gut entwickelt hat, kann mit der orthopädietechnischen Versorgung gestartet werden. Wir besprechen mit Ihnen, wie Ihre zukünftige Prothese angefertigt werden soll.
Volumenreduktion und Bandagieren
Allenfalls ist es notwendig, Ihren Stumpf auf die Prothese vorzubereiten. Da durch die Operation das Gewebe am Stumpf und am Unterschenkel angeschwollen sein kann, brauchen Sie, sofern Sie keine arterielle Durchblutungsstörung haben, eine Kompressionstherapie mit elastischen Binden. Die Pflegefachpersonen und Ihr Arzt / Ihre Ärztin werden Ihnen die notwendige Therapie emfpehlen.

Varianten von Fussamputationen

Die Bilder oben zeigen einige häufige Varianten von Fussamputationen. Die dazu gängigen Versorgungsmöglichkeiten, sehen Sie im folgenden Kapitel dieser Broschüre.

Schutzorthese nach Mass
Diese dient dazu den Stumpf nach der Operation zu schützen und somit auch die Wundheilung zu unterstützen. Sie ist nützlich für eine geringfügige Mobilität.

Probe-Gehorthese nach Mass
Wenn die Wundheilung noch nicht abgeschlossen und das Stumpfvolumen noch nicht stabil genug ist, jedoch eine adäquate höhere Mobilität gewünscht wird, empfiehlt sich die Probe-Gehorthese.

Gipsabdruck
Am Anfang jeder Prothesenversorgung steht ein Gipsabdruck. Damit der Schaft und der Stumpf eine passende Einheit ergeben, ist es wichtig, die einmalige Form Ihres Stumpfes genau abzuformen und Masse zu nehmen. Wir wickeln Ihren Stumpf mit Gipsbinden ein und wenige Minuten später wird die Form schon wieder geöffnet und wir können diese für die Erstellung eines Schaftes verwenden.
Schuhe
Um die Statik der Prothese richtig einzustellen, benötigen wir Schuhe von Ihnen. Da die Prothese in der Regel mehr Platz im Schuh braucht als Ihr Fuss auf der Gegenseite, müssen die Schuhe entsprechend angepasst sein. Die Schuhe sollen an Ihrem erhaltenen Fuss möglichst bequem sein. Diesem Fuss müssen Sie in Zukunft Sorge tragen, er wird Ihr gutes Standbein werden. Aber auch die Prothese muss einen guten Halt im Schuh finden.
Wir werden Ihre Prothese so einstellen, dass Sie mit diesen Schuhen gut gehen können. Damit Sie sich beim Gehen auch mit anderen Schuhen wohlfühlen, müssen alle Schuhe die annähernd gleiche Absatzhöhe haben. Kaufen Sie neue Schuhe nur noch mit derselben Absatzhöhe, auf die Ihre Prothese eingestellt wurde.
Die ersten Schritte
In der Anfangszeit empfiehlt es sich, die Prothese nur kurze Zeit zu tragen. Das heisst ca. ½- 1 Stunde und den Stumpf anschliessend nach eventuellen Druckstellen zu untersuchen. Dies ist vor allem Personen mit eingeschränkter Sensibilität (z.B. bei Diabetes oder arteriellen Verschlusskrankheiten) wichtig, da hier das Schmerzgefühl beeinträchtigt sein kann. Wenn die Haut unauffällig ist und Sie keine oder nur wenig Schmerzen verspüren, können Sie die Tragedauer langsam steigern. Bei Druckstellen ist es ratsam, dass Sie sich mit uns in Verbindung setzen, bevor Wundstellen auftreten.
Physiotherapie
Nach der Erholung von der Operation kommt nun die Zeit der Rehabilitation. Sie müssen Ihre Muskeln nach der Untätigkeit wieder aufbauen und Ihre Körperbalance neu trainieren. Sie werden daher im Spital und auch später während der Rehabilitation regelmässig Termine in der Physiotherapie haben. Lassen Sie sich von den Fachpersonen zeigen, welche Übungen gut für Sie sind und halten Sie sich an deren Anweisungen. Je besser Ihre Muskeln trainiert sind, desto besser werden Sie mit der Prothese zurechtkommen.
Kosmetik
Wenn Sie die Prothese zum ersten Mal sehen, wird sie aussen noch nicht die definitive Form und Farbe haben. Am Anfang ist vor allem die Funktion der Prothese wichtig, in einem zweiten Schritt erst das Aussehen. Wenn sie nach einigen Wochen oder Monaten so weit angepasst ist, dass wir das Möglichste herausgeholt haben, wird die Prothese definitiv fertiggestellt und kosmetisch verkleidet.
Falls Sie spezielle Wünsche zum Aussehen Ihrer Prothese haben, sprechen Sie Ihren/Ihre Techniker:in darauf an, wir beraten Sie gerne.
Laufende Anpassung und Kontrolle der Prothese
In den ersten Jahren kann sich der Stumpf stetig verändern, in der Regel wird sein Volumen langsam kleiner. Es kann aber auch innerhalb eines Tages auftreten, dass der Stumpf am Abend grösser wird oder im Verlauf des Tages durch den Druck während dem Tragen an Volumen abnimmt. Bei allen Prothesen, die mit Strümpfen getragen werden, können diese Volumenänderungen mit Prothesen-Strümpfen ausgeglichen werden. Ist dies nicht möglich oder treten Druckstellen auf, so muss der Schaft neu angepasst werden. Grundsätzlich gilt die Regel: Besser einen Strumpf zu viel als einen zu wenig tragen. Ihre Gehfähigkeit sollte aber deswegen nicht eingeschränkter sein als zuvor. Wenn die Volumenveränderungen zu gross werden, muss ein neuer Prothesenschaft angefertigt werden.
Wichtig
Eine Prothese ist ein technisches Hilfsmittel, das im täglichen Gebrauch Verschleisserscheinungen zeigen kann. Es macht daher Sinn, dass Sie einmal pro Jahr einen Termin bei Ihrem/Ihrer Technikerin:in wahrnehmen, um die Prothese und deren Sitz kontrollieren zu lassen.